Einweihung des Grünstreifens

Author: Ralph Knapp

„Also weißt Du, komm ich doch gestern durch Kürten, stehen da so zwei Typen auf der Bank und eine Gruppe hört zu. Was war denn da los?

  • Eine Demonstration?
  • In Kürten?
  • Eine Verkaufsveranstaltung?
  • Mitten im brausenden Feierabendverkehr?“

Nein, es war die Einweihung des Grünstreifens an der Wipperfürther Strasse. Und damit man besser gesehen und gehört wurde, haben sich die Redenden auf die neue Bank gestellt.
Ach ja, jetzt wisst ihrs: „die neue Bank.“ Was hat die schon Spott erregt: „Wer soll sich denn hier an die Strasse setzen!“ Und so ist es denn ja immer, wenn etwas geschieht. Zuerst ist die Kritik da. Noch keiner hat gefragt, wer das gemacht hat und warum. Es wird einfach selbstverständlich vorausgesetzt dass das irgendwie die Gemeinde zu verantworten hätte.

Und damit ist man dann sozusagen schon in der Pflicht, zu kritisieren. Es war aber nicht die Gemeinde, sondern es verdankt sich privater Initiative, dass da etwas Neues gestaltet wurde. Kann man übrigens bald vor Ort auf einem Schild nachlesen, wer da mit von der Partie war.
Private Initiative für die Menschen in unserem Ort. Das ist zunächst einmal lobenswert. Mag ja sein, dass man dann nicht alles persönlich nachvollziehen kann, was im einzelnen gestaltet wurde, aber dann kann man ja selbst Initiative ergreifen und es an einem anderen Platz so machen, wies einem selbst gefällt. Solch ein Wettbewerb würde Kürten nur nützen.

Übrigens waren an einer anderen Stelle oberhalb des alten Friedhofs gestern auch Freiwillige zu Gange und haben den Streifen vor den Parkplätzen neu gestaltet. Nicht in Konkurrenz zu dem andern, sondern aus dem gleichen Geist des Gemeinsinns heraus.
Aber zurück zur ersten Stelle. Sinn der Initiative war der Erhalt der Bäume und die Gestaltung einer Ruheoase mit dem Durchblick auf das Grün an der Sülz.

Das mit der Ruheoase konnte man natürlich in der Zeit zwischen 5 und 6 nur schwer verstehen und so geht es natürlich vielen, die grade dann in Kürten sind, wenn viel Verkehr herrscht. Aber es gibt auch andere Zeiten, da ist es in Kürten wirklich ruhig. In den Abendstunden etwa und zu dieser Zeit ist es eigentlich sehr schön im Ort. Und es wäre gerade dann eine schöne Gelegenheit, sich einmal an der Bank zu treffen, wie es zum Beispiel die Menschen im Süden Europas ganz selbstverständlich tun, um zu plauschen, sich zu treffen, miteinander eine gute Zeit zu haben. Dafür ist die Bank eine schöne Einladung.

Aber ich kann’s ja beinahe hören: „Da sitzen dann ja doch nur wieder die Jugendlichen und machen alles dreckig.“
Tja, Die Jugendlichen! Das sind aber auch Menschen! Sind die Bänke denn nicht dafür da, dass man sich drauf setzt? Laden sie nicht als unverbindlicher Treffpunkt ein? Machen uns diese Jugendlichen da nicht auch etwas vor? „Ja, aber die Trinken da Alkohol!“ Stimmt, das machen andere Menschen an anderen Orten auch.

Diese Jugendlichen verstecken sich nicht und wenn sie manchmal als „Bürgerschreck“ wahrgenommen werden ist das zum einen das Privileg der Jugend zum anderen aber auch die Folge davon, dass sich die „Bürger“ immer mehr ins private zurückziehen und das, was die jungen Leute da machen, sich an öffentlichen Orten treffen, gar nicht mehr pflegen. Dass es da nachher wie ein Schweinestall aussieht und dass da auch manches zu Bruch gehen mag, finde ich natürlich auch nicht toll. Wenn wir aber einen anderen Zugang zu dieser Form des Zusammenkommens hätten, sähe das vielleicht auch anders aus. Mich freut jedenfalls dieser neue Ort in Kürten, der das Alte bewahrt und aufwertet.
Respekt vor diesem Engagement!